Lost Places

Beelitzer Heilstätten, April 2017

Im Januar 2017 hatte ich für Ostern meine dritte Fototour / Fotobase für sieben Stunden Beelitz Heilstätten bei dem Anbieter, der solche Lost-Places-Touren anbietet, gebucht. Endlich, endlich, Beelitz Heilstätten plante ich nach meiner ersten Fototour Heilstätten Hohenlychen schon seit zwei Jahren, nun hat es für dieses Jahr geklappt.

Am verregneten und windigen Karsamstag sind wir, ich und einen guten Freund von mir, endlich nach Brandenburg gestartet und sind an unserer schönen Pension mit bunten Hühnern ohne großartigen Osterstau gut angekommen.Danach machten wir einen Spaziergang über die verwunschenen Gelände Beelitz Heilstätten / Baumkronenpfad und über Spargelfelder. Am Abend haben wir in der verschlafenen Spargelstadt Beelitz / Schäpe leckere Spargelgerichte gegessen. Es war gerade Spargelsaison.

Am nächsten Tag, Ostersonntag, morgens um 10:30 Uhr trafen wir an einem vereinbarten Treffpunkt. Viele Interessenten sind gekommen, darunter einige Fotografen mit schönen Modells, viele Hobbyfotografen und einige Touristen. Ich glaube, wir waren ingesamt so ca. 25-30. Nach einem kurzen Vortrag durch Tourguide verstreuten wir uns über die weiten Geländeteilen, meine langersehnte Tour hat endlich begonnen:

Die Beelitz-Heilstätten waren damals Vorzeige-Tuberkuloseklinik in Deutschland. Heute sind die verfallenen Gebäudeteile ein Magnet für Fotografen und Touristen verlassener Orte. Mir gefiel am besten die Flügeln:

Es war ein schöner Tag und super anstrengend gewesen, ich war am Ende ganz schön dreckig und staubig. Sieben Stunden waren wirklich sehr lang, sie vergingen wie im Fluge, dann war es schon 17:30 Uhr. Wir hatten viel Glück gehabt, dass an diesem Tourtag nicht ganz viel geregnet hat. Komisch war, dass ich diesmal entgegen meiner Gewohnheit nicht sooooo viele Bilder geschossen habe wie in Heilstätten Hohenlychen, vielmehr bin ich rumgelaufen, erkundete die Häuser, wanderte verträumt durch die Gänge, vergass dabei manchmal was zu fotografieren. Später am Abend fiel mir dann viele Details ein, dass ich doch dies und das fotografieren hätte sollen.

Die alte Chirurgie mit der Führung habe ich noch nicht gesehen, sie gehört nicht zur gebuchten Fotobase. Die Chirurgie kann man direkt vor Ort buchen und es besteht auch die Möglichkeit in dieser Chirurgie frei zu fotografieren, das werde ich demnächst auch machen, wenn ich mal wieder nach Berlin fahre.


Ende Dezember 2015 hatte ich eine zweite LP-Fototour gebucht:

Gefängnis Köpenick / Berlin

 Ich wollte schon immer mal ins Gefängnis gehen und es mir anzuschauen. Am 5. März 2016 war es dann endlich soweit.

Die Zeitdaten:

  • Das Gefängnis stammt aus den 30ger Jahren und hat kleine und beengte Zellen. Die Gänge schmal und im Heizunskeller war es so dunkel.
  • 1899 wurde in Berlin-Köpenick mit dem Bau eines neuen Amtsgerichts und Gefängnisses begonnen.
  • 1933 übernahm die SA das Gefängnis. Sie nutzte es als zentrale Haft- und Folterstätte.
  • Nach dem 2. Weltkrieg nutzte die DDR das Gebäude zunächst als Männer- Jugendgefängnis und später als Untersuchungshaftanstalt.
  • 1964 übernahm das Fernsehen der DDR den Zellenbau und brachte hier einen Kostümfundus mit Schneiderei unter.
  • Seit den Achtzigern steht das Gebäude weitgehend leer.

Die Fototour hat drei Stunden gedauert. (für mich zu wenig, ich wäre gerne eine Stunde länger geblieben.) Man kann sich im Gebäude frei bewegen und fotografieren, worauf man Lust hast. Von oben bis in den Keller. Die Zellen waren beengt und die Atmosphäre war beängstigend, finde ich jedenfalls. Ich habe mich mal eingeschlossen, bzw. die Zellentür habe ich zugemacht. Ich stand mitten im Raum, wahnsinnig …. boah … zu eng… also in der Gefängniszelle möchte ich nicht monatelang sitzen. Schön fand ich eher die Gänge auf allen Etagen, schmal zwar, aber mit viel Licht.

Allerdings habe ich in diesem Gefängnis nicht so viele HDR Aufnahmen gemacht. Es gefiel mir besser, mich ganz frei und nur mit einer Kamera in der Hand zu bewegen ohne den sperrigen Stativ ständig mit mir herum zu schleppen. Nachdem ich die HDR Aufnahmen beendet habe, packte ich mein Stativ weg und wanderte im Gefängnis herum und machte Bilder. Einige Bilder zeigen den Keller, ganz schön dunkel da unten, vor allem der Heizungskeller war so dunkel und verursachte bei mir Gänsehaut, unheimlich. Wie gut, dass ich meine Taschenlampe mit dabei habe. Und die Kellergänge waren auch dunkel und ich musste gebückt laufen, entweder bin ich zu groß oder der Keller zu niedrig 😀


Kinderheilstätten Hohenlychen / 2015

Ich habe eine große Fototour gebucht, die Kinderheilstätten Hohenlychen, Stadt Lychen in Brandenburg. Sechs Stunden lang. Das war echt krass, zumal es sehr heiß war, draußen und auch drinnen und auch weil diese Tour ganz schön lang war. Mehrere Gebäuden waren sehr groß, das gesamte Gelände auch riesig. Da gab es viel zu sehen und zu entdecken. Nach etwa vier Stunden war mein „Akku“ leer. Ganz schön geschafft war ich. Immer wieder dazwischen Pause zu machen habe ich natürlich auch gemacht.

Das riesige Gelände mit seinen mehreren Gebäuden und Gebäudekomplexen (Auguste Viktoria-Sanatorium, Cecilienheim, Schlafhäuser, Schwimmhalle und Turnhalle mit Kino) in Lychen (Brandenburg) gehört heute einem privaten Investor, der eine der Villen bereits als Wohnhaus saniert hat. Weitere Villen sollten auch saniert werden, wie ich auf einem Hinweis auf einem Banner auf dem Gelände gesehen habe. Der Besuch des Geländes ist nur im Rahmen einer solchen Fototour möglich. Hier *klick* kann man eine Fototour buchen. Drei der großen Gebäude sind frei zugänglich und können vom Keller bis zum Dachboden von den Fotografen und Interessenten durchstöbert und fotografiert werden. Der verantwortliche Tourguide ist auch die ganze Zeit auf dem Gelände da, ihn kann man immer ansprechen oder fragen.

In der Pause draußen im Schatten unter den Bäume zu sitzen war echt Erholung. Die Häuser von außen in aller Ruhe anzuschauen und mir vorzustellen, wie es damals in den Gebäuden ausgesehen hat und was dort passiert war, ist sehr spannend.

Hier die Geschichte in Kurzform:

Um das 20. Jahrhundert gab es unter den Arbeitern und den armen Bevölkerungsschichten viele Tuberkulose-Erkrankte. So gründete Gotthold Pannewitz 1903 ein Kindersanatorium, später kam ein Frauensanatorium dazu. Die Heilanstätten wurden zum größten Teil aus Spenden finanziert und vom Deutschen Roten Kreuz unterhalten. Im ersten Weltkrieg wurden die Heilstätten als Lazarett genutzt.

1935 übernahm Karl Gebhardt die Leitung der Heilanstalten. Da die Zahl der Tuberkuloseerkrankungen sank, legte man den Schwerpunkt der Behandlungen auf Sportschäden, Arbeitsschäden und Wiederherstellungschirurgie.

Als der zweite Weltkrieg ausbrach, wurden die Heilstätten zuerst als Lazarett genutzt. Später wurden auch dort Menschenversuche mit Wundinfektionen durchgeführt.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieg nutzten die russischen Truppen die Heilstätten als Lazarett und Geburtsstation. Ein Teil der Gebäude wurde auch als Wohneinheit für Soldaten genutzt.

Am 31. August 1993 verließ das letzte sowjetische Kommando die Heilanstalten und beendete die sowjetische Besatzungsära. Danach standen die Heilstätten leer. Inzwischen gehören sie heute einem privaten Investor.

Ende der Geschichte.

Fazit:

Für mich war diese Fototour eine ganz interessante Erfahrung. Sich vorher über diese Location zu informieren, eine Recherche darüber zu machen, dann die Tour zu buchen. Bei der Tour mir alles anzuschauen, staunen, die Atmosphäre in den Räumen zu genießen, mir vorzustellen, wie es damals in einem der Schlafsäle ausgesehen hat, mir die heilen und kaputten Wandbilder anzuschauen und vieles mehr. Interessante Motive auszusuchen, sie zu fotografieren und zum Schluß die Bilder zuhause zu bearbeiten und mich an meinen gelungenen Bildern zu erfreuen ist ganz toll und macht viel Spaß. Viele Bilder sind aber leider nicht gut geworden, jedoch habe ich auch viele gute Bilder gemacht. Auf manchen Bildern denke ich, dass ich ja auch in die Hocke gehen könnte oder aus einem anderen Blickwinkel fotografieren könnte. Zum Beispiel die Wendeltreppe hätte ich mehrfach aus verschiedenen Perspektiven fotografieren können. Ich bin mit meinem Bildmaterial jedoch insgesamt ganz zufrieden. Da diese Kinderheilstätten und das Gelände riesig sind, und ich im ersten Beitrag geschrieben habe, dass die Tour sehr lange war (sechs Stunden) und dass nach vier Stunden mein innerer Akku leer war, werde ich diese Heilstätten auf jeden Fall irgendwann nochmal besuchen.